Internationale Koordination
Anthroposophische Medizin
Freie Hochschule für Geisteswissenschaft
Medizinische Sektion am Goetheanum

Internationale Koordination Ernährung

Ernährung betrifft alle Menschen und hat einen starken salutogenetischen Aspekt. Medizinisch betrachtet stehen Themen wie Diätetik und Prävention im Vordergrund. So ist einerseits die Frage zu bedenken, welche Ernährung der Mensch für seine gesunde physische und seelisch-geistige Entwicklung braucht, und andererseits muss berücksichtigt werden, dass der Mensch durch seine Nahrungsauswahl Koproduzent und somit Mitgestalter der Welt, in der er lebt, ist. Mit dem Klimawandel und auch der Covid-19-Pandemie rückt die Frage, wie Ernährung zur Gesundheit von Mensch und Erde beiträgt, weiter ins Bewusstsein.

Die Produktion von gesunden Lebensmitteln aus gesunder Erde für eine gesunde Ernährung hört nicht bei der Ernte der Lebensmittel auf. Die Verarbeitung (wie viele Zusatzstoffe sind erlaubt, welche Technologie wird eingesetzt), der Handel (fair oder möglichst billig), die Zubereitung (Kochen mit Liebe ist nicht nur ein Sprichwort, sondern schmeckbar) und die Art, wie gegessen wird (Tisch schön gedeckt, in Gemeinschaft) stiften Ernährungskultur und gehören dazu. Es ist notwendig, das Bewusstsein für die Zusammenhänge zu wecken. Denn das Essverhalten bestimmt, wie Pflanzen und Tiere gezüchtet und angebaut bzw. gehalten werden.

Struktur und Historie des Koordinationsfeldes

Im Prinzip gehören Berufsgruppen wie Oecotrophologinnen / Oecotrophologen, Diätetistinnen / Diätisten, Ernährungsmediziner/-innen, Ernährungsberater/-innen u.a. zum Koordinationsfeld, das bis dato (noch) nicht wie andere IKAM-Koordinationsfelder organisiert ist. Arbeitsorgan ist der Sektionskreis Ernährung, der in den 1980er Jahren unter Mitwirkung der Sektion für Landwirtschaft und der Medizinischen Sektion sowie dem Arbeitskreis für Ernährungsforschung (Deutschland) gegründet wurde. Zeitweise war auch die Sektion für Sozialwissenschaften an der Arbeit beteiligt.

Mehrere Ernährungstagungen wurden von dem Kreis organisiert – zuletzt 2014 innerhalb der Sektion für Landwirtschaft. Von 2000 bis 2015 organisierte und koordinierte der Arbeitskreis für Ernährungsforschung durch Dr. Petra Kühne den Sektionskreis. Seit 2016 liegt die Koordination bei Dr. Jasmin Peschke im Fachbereich Ernährung der Sektion für Landwirtschaft. Er kommt jährlich zu zwei Arbeitstreffen zusammen.

Aktivitäten

Die Arbeit im Fachbereich Ernährung der Sektion für Landwirtschaft fördert die individuelle Kompetenz für eine selbstbestimmte Ernährungsform und spannt den Bogen vom Anbau zur Ernährungskultur und bezieht die soziale Dimension mit ein: von der Erde – für den Menschen – zum Teilen. Durch Projekte Seminare, Tagungen, Vorträge und Publikationen werden Anknüpfungspunkte gestaltet für Menschen, die eine anthroposophisch-geisteswissenschaftliche Vertiefung der Ernährungsfrage suchen.

Der Arbeitskreis für Ernährungsforschung bietet berufsbegleitende Fortbildungen zur Qualifizierung im Bereich der anthroposophischen Ernährung an. Außerdem führt er Forschungsprojekte zur Bedeutung von Lebensmitteln für die Ernährung durch.

Dr. Jasmin Peschke