IKAM Arbeitsfelder Arzneimittel / Rechtsfragen

Pharmazie / International Association of Anthroposophic Pharmacists (IAAP)
Anthroposophische Pharmazie

Pharmazie oder Pharmazeutik ist eine Naturwissenschaft, die sich mit der Beschaffenheit, Wirkung, Prüfung, Herstellung und Abgabe von Arzneimitteln befasst. Sie vereint dabei Aspekte aus anderen Naturwissenschaften, vor allem der Chemie und Biologie.
Die Anthroposophische Pharmazie versteht sich als eine Erweiterung und Ergänzung dieser naturwissenschaftlichen Disziplin durch die Anthroposophie Rudolf Steiners.
Aus der daraus gewonnenen Menschenerkenntnis und der mehrdimensionalen Sicht auf die Natur resultieren besondere Anforderungen an die Qualität von arzneilichen Rohstoffen und deren Weiterverarbeitung zu pharmazeutischen Ausgangsstoffen sowie spezielle Herstellungsprozesse für die Arzneimittel. Damit ist auch ein die verschiedenen Kräftewirksamkeiten im menschlichen Organismus berücksichtigendes Substanz- und Prozess-Verständnis verbunden.

Die Rohstoffe und Ausgangsmaterialien für ein Arzneimittel sind in erster Linie der Natur entnommen. Es handelt sich um Mineralien, Metalle oder Pflanzen bzw. deren Teile sowie tierische Organismen, Organe oder Absonderungen (wie Ameisensäure, Schlangengift).1

Großer Wert wird auf die Qualität der Naturstoffe gelegt. Mineralische Ausgangsstoffe werden aus natürlich vorkommenden Mineralien und Gesteinen aufgeschlossen, mineralische Verbindungen selbst hergestellt.
Die verwendeten Heilpflanzen werden weitgehend von biologisch-dynamisch bewirtschafteten Anbauflächen bezogen oder stammen aus zertifizierter Wildsammlung.2

Ebenso entstammen Tierorgane von Spendertieren aus geschlossenen Herden von biologisch-dynamischen Betrieben, die nach den Grundsätzen artgerechter Haltung im Sinne der Richtlinie des Demeterverbandes und des ökologischen Landbaus (EU-Verordnung 2092/91) arbeiten.

Bei der Verarbeitung dieser natürlichen Ausgangsmaterialien spielt das therapeutische Ziel des anthroposophischen Arztes eine wesentliche Rolle. Die Indikation bzw. das Krankheitsbild, für das das Medikament entwickelt wurde, bestimmen mit, welche Art des pharmazeutischen Verarbeitungsprozesses z.B. eine Heilpflanze durchläuft. Dabei kommen zum einen in der Pharmazie übliche Extraktionsmethoden zur Anwendung: Mazeration, Perkolation, Digestion, Infus-Bereitung, Dekokt und Destillation. Hinzu kommen die speziell in der Anthroposophischen Pharmazie gebräuchlichen Verfahren wie Röstung, Verkohlung und Veraschung.3

Die einzelnen hier aufgeführten Gewinnungsmethoden für Tinkturen lassen sich nach dem Grad und der Art der eingesetzten Wärme unterscheiden.3
Ebenso spielen bekanntermaßen die Extraktionsmedien und ihre Mischungsverhältnisse eine entscheidende Rolle für das Inhaltsspektrum der entstehenden Tinktur. Es werden in der Regel Alkohol oder Wasser bzw. Gemische von beiden eingesetzt, in manchen Fällen auch natürliche Öle.
Von den Firmen WELEDA und WALA stammen das sogenannte Rh-Verfahren und das Licht/Asche -Verfahren (Rh = Rhythmus; "WALA": W und A = Wärme/Asche, L und A = Licht/Asche).1

Weitere Besonderheiten stellen z.B. die Destillation und die Herstellung von Metallspiegeln (hauchdünne Metallniederschläge) dar, die als Ausgangsstoffe dienen und zu verschiedenen Arzneiformen weiter verarbeitet werden.1
Außer den erwähnten Herstellverfahren werden Methoden eingesetzt, die rhythmische Bewegungen als Hauptcharakteristikum haben. So verwendet die Anthroposophische Pharmazie häufig das in der Homöopathie bekannte, von dem Arzt Samuel Hahnemann entwickelte Potenzieren in modifizierter Form.4

Die eingesetzte Natursubstanz durchläuft eines oder mehrere dieser beschriebenen Herstellprozesse und wird auf diese Weise professionell vom Pharmazeuten in eine der über 30 verschiedenen Arzneiformen überführt, die dann dem Arzt zur Therapie zur Verfügung stehen. Ein tabellarischer Überblick ist z.B. in dem Standardwerk „Anthroposophische Arzneitherapie“ von Michaela Glöckler enthalten.3

Charakteristisch für die Anthroposophische Pharmazie sind Arzneiformen zur äußeren Anwendung, wie Essenzen, Öle, Salben, Cremes, Gelate und Augentropfen, sowie zur inneren Anwendung Dilutionen, Globuli, Triturationen, Injektionen und Suppositorien.
Ihre Anfertigung ist zum Teil an spezifisch-pharmazeutisches Wissen geknüpft, das es nur in Pharmafirmen gibt, die homöopathische oder anthroposophische Präparate auf den Markt bringen.

Koordination und Kontakt:

Dr. rer. nat. Manfred Kohlhase
Präsident der IAAP, Mitarbeiter der Weleda AG/Weiterbildung Anthroposophische Pharmazie
GAPID Gesellschaft Anthroposophischer Apotheker in Deutschland
mail@manfred-kohlhase.de
www.iaap.org.uk
www.gapid.de



Anmerkungen und Hinweise:

1 International Anthroposophic Association of Pharmacists 2007: www.iaap.org.uk
Anthroposophisch Pharmazeutischer Codex/APC, 2. Edition 11, 2007
Monographiensammlung der Anthroposophischen Pharmazie, Goetheanum, Medizinische Sektion, Dornach, Schweiz
2 Koepf, Petterson, Schaumann 1980: Biologisch-dynamische Landwirtschaft, Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart
3 Glöckler M 2005: Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker, Bd. 1 und 2, 1. Auflage, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart
4 Daems WF 1993: Was sind potenzierte Arzneimittel? Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart
und Daems WF 2000: Streifzüge durch die Medizin- und Pharmaziegeschichte, Verlag am Goetheanum, Dornach
 
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