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International Association of Anthroposophic Pharmacists (IAAP) © Jürg Buess

Anthroposophische Pharmazie – International Association of Anthroposophic Pharmacists/IAAP

Pharmazie oder Pharmazeutik ist eine Naturwissenschaft, die sich mit der Beschaffenheit, Wirkung, Prüfung, Herstellung und Abgabe von Arzneimitteln befasst. Sie vereint dabei Aspekte aus anderen Naturwissenschaften, vor allem der Chemie und Biologie.

Die Anthroposophische Pharmazie versteht sich als eine Erweiterung und Ergänzung dieser naturwissenschaftlichen Disziplin durch die Anthroposophie Rudolf Steiners.
Aus der daraus gewonnenen Menschenerkenntnis und der mehrdimensionalen Sicht auf die Natur resultieren besondere Anforderungen an die Qualität von arzneilichen Rohstoffen und deren Weiterverarbeitung zu pharmazeutischen Ausgangsstoffen sowie spezielle Herstellungsprozesse für die Arzneimittel. Damit ist auch ein die verschiedenen Kräftewirksamkeiten im menschlichen Organismus berücksichtigendes Substanz- und Prozess-Verständnis verbunden.

Die Rohstoffe und Ausgangsmaterialien für ein Arzneimittel sind in erster Linie der Natur entnommen. Es handelt sich um Mineralien, Metalle oder Pflanzen bzw. deren Teile sowie tierische Organismen, Organe oder Absonderungen wie beispielsweise Ameisensäure, Schlangengift. [1]

Anthroposophische Medizin
© Jürg Buess


Großer Wert wird auf die Qualität der Naturstoffe gelegt. Mineralische Ausgangsstoffe werden aus natürlich vorkommenden Mineralien und Gesteinen aufgeschlossen, mineralische Verbindungen selbst hergestellt.
Die verwendeten Heilpflanzen werden weitgehend von biologisch-dynamisch bewirtschafteten Anbauflächen bezogen oder stammen aus zertifizierter Wildsammlung. [2]

Ebenso entstammen Tierorgane von Spendertieren aus geschlossenen Herden von biologisch-dynamischen Betrieben, die nach den Grundsätzen artgerechter Haltung im Sinne der Richtlinie des Demeterverbandes und des ökologischen Landbaus (EU-Verordnung 2092/91) arbeiten.

Bei der Verarbeitung dieser natürlichen Ausgangsmaterialien spielt das therapeutische Ziel des anthroposophischen Arztes eine wesentliche Rolle. Die Indikation bzw. das Krankheitsbild, für das das Medikament entwickelt wurde, bestimmen mit, welche Art des pharmazeutischen Verarbeitungsprozesses beispielsweise eine Heilpflanze durchläuft. Dabei kommen zum einen in der Pharmazie übliche Extraktionsmethoden zur Anwendung: Mazeration, Perkolation, Digestion, Infus-Bereitung, Dekokt und Destillation. Hinzu kommen die speziell in der Anthroposophischen Pharmazie gebräuchlichen Verfahren wie Röstung, Verkohlung und Veraschung. [3], [4]

Anthroposophische Medizin
© Jürg Buess


Die einzelnen hier aufgeführten Gewinnungsmethoden für Tinkturen lassen sich nach dem Grad und der Art der eingesetzten Wärme unterscheiden. [3]
Ebenso spielen bekanntermaßen die Extraktionsmedien und ihre Mischungsverhältnisse eine entscheidende Rolle für das Inhaltsspektrum der entstehenden Tinktur. Es werden in der Regel Alkohol oder Wasser bzw. Gemische von beiden eingesetzt, in manchen Fällen auch natürliche Öle.

Von den Firmen WELEDA und WALA stammen das sogenannte Rh-Verfahren und das Licht/Asche -Verfahren (Rh = Rhythmus; "WALA": W und A = Wärme/Asche, L und A = Licht/Asche). [1]

Weitere Besonderheiten stellen beispielsweise die Destillation und die Herstellung von Metallspiegeln (hauchdünne Metallniederschläge) dar, die als Ausgangsstoffe dienen und zu verschiedenen Arzneiformen weiter verarbeitet werden. [1]
Außer den erwähnten Herstellverfahren werden Methoden eingesetzt, die rhythmische Bewegungen als Hauptcharakteristikum haben. So verwendet die Anthroposophische Pharmazie häufig das in der Homöopathie bekannte, von dem Arzt Samuel Hahnemann entwickelte Potenzieren in modifizierter Form. [5]

Die eingesetzte Natursubstanz durchläuft eines oder mehrere dieser beschriebenen Herstellprozesse und wird auf diese Weise professionell vom Pharmazeuten in eine der über 30 verschiedenen Arzneiformen überführt, die dann dem Arzt zur Therapie zur Verfügung stehen. Ein tabellarischer Überblick ist beispielsweise in dem Standardwerk „Anthroposophische Arzneitherapie“ von Michaela Glöckler enthalten. [3] Detaillierte Ausführungen über alle spezifisch anthroposophischen Verfahrensweisen finden sich in dem Lehrbuch „Anthroposophische Pharmazie“ von Ulrich Meyer und Peter Alsted Pedersen. [4] 


Charakteristisch für die Anthroposophische Pharmazie sind Arzneiformen zur äußeren Anwendung, wie Essenzen, Öle, Salben, Cremes, Gelate und Augentropfen, sowie zur inneren Anwendung Dilutionen, Globuli, Triturationen, Injektionen und Suppositorien.
Ihre Anfertigung ist zum Teil an spezifisch-pharmazeutisches Wissen geknüpft, das es nur in Pharmafirmen gibt, die homöopathische oder anthroposophische Präparate auf den Markt bringen.

Manfred Kohlhase – Anthroposophische Medizin

Koordination und Kontakt

Dr. rer. nat. Manfred Kohlhase
Präsident der IAAP,
Vorstandsvorsitz Gesellschaft Anthroposophischer Apotheker in Deutschland/GAPiD,
E-Mail: mail@manfred-kohlhase.de
www.iaap.org.uk
www.gapid.de

Oliver Friedlaender – Anthroposophische Medizin

Oliver Friedländer
Stellvertretung
E-Mail: oliver.friedlaender@t-online.de

www.iaap.org.uk
www.gapid.de

Anmerkungen und Hinweise:

1 International Anthroposophic Association of Pharmacists 2007: www.iaap.org.uk
Anthroposophisch Pharmazeutischer Codex/APC, 3. Edition, 2013
Monographiensammlung der Anthroposophischen Pharmazie, Goetheanum, Medizinische Sektion, Dornach, Schweiz
2 Koepf, Petterson, Schaumann 1980: Biologisch-dynamische Landwirtschaft, Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart
3 Glöckler M 2005: Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker, Bd. 1 und 2, 1. Auflage, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2005
Meyer U, Pedersen P: Anthroposophische Pharmazie, Salumed Verlag, Berlin 2016
5 Daems WF 1993: Was sind potenzierte Arzneimittel? Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart
und Daems WF 2000: Streifzüge durch die Medizin- und Pharmaziegeschichte, Verlag am Goetheanum, Dornach